Herzlich willkommen bei der Jenny-Böken-Stiftung

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Außergewöhnliche Blutspendeaktion hilft erblindetem Hauptfeldwebel

Am 30. Juni erhielt ich folgende Mail:
Sehr geehrte Frau Böken,
am 26. und 27. Mai diesen Jahres hat an der Universität der Bundeswehr München eine Blutspendeaktion gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz stattgefunden.
Wir freuen uns, dass wir einen Teil des Erlöses, welcher durch die Aktion erlangt wurde, Ihrer Stiftung spenden können.
Wir hoffen sehr, dass wir damit wenigstens einen kleinen Beitrag zu Ihrer großartigen Arbeit leisten können und vielleicht kann wieder ein weiteres kleines Ziel erreicht werden.
Mit herzlichen Grüßen im Namen aller freiwilligen Helfer

Franziska Auth 


… und hier die Antwort

Liebe Frau Auth,


mit großer Freude und sprachlos vor Überraschung habe ich eben eine mail mit der Nachricht Ihrer großzügigen Spende von 3000,00 Euro erhalten. Für unsere kleine unbedeutende Stiftung ist das ein Vermögen. Wir werden mit dieser großen Summe sicher große Not lindern können.
Besonders freut mich, dass es eine Blutspendeaktion an der Universität der Bundeswehr München war.


Allen Helfer/innen ein herzliches Dankeschön. Ich bin stolz auf sie alle.
Jenny war auch mit Leib und Seele Blutspenderin und bemühte sich ständig, neue Spender zu gewinnen.


Ich möchte wissen, wie Sie von unserer Stiftung erfahren haben und ob wir Ihre großartige Aktion in einem Artikel auf unserer Homepage vorstellen dürfen.

Ein ganz besonderer Gruß und Dank gilt den Soldatinnen und Soldaten, besonders den Offiziersanwärtern und Offizieren der Universität der Bundeswehr München.



Ich würde sehr gerne ein persönliches Gespräch mit Ihnen führen.

Hier meine Telefonnr.

02451-9165743

01522-9286062


Mit ganz vielen lieben herzlichen Grüßen aus Geilenkirchen



Ihre Marlis Böken mit Jenny im Herzen


… und dann wurde die Spende einem in Kabul schwer verletzten Kameraden zugedacht

Sehr geehrte Frau Marlis Böken,



aus unserem soeben geführten Telefonat habe ich erfahren, dass Sie mit Ihrer Stiftung dem bei einem Anschlag in Kunduz erblindeten Soldaten, Herr Hauptfeldwebel R., helfen möchten. Die freiwilligen Helferinnen und Helfer der Blutspendeaktion an der Universität der Bundeswehr München und ich würden uns sehr freuen, wenn unsere Spende in Höhe von 3.000,00 € komplett an Herrn Hauptfeldwebel R. geht. Auch wenn das Geld nicht ausreicht, um ihn wieder sehen zu lassen, so hoffen wir dennoch, einen kleinen Beitrag zu seiner Genesung beitragen zu können.


Des Weiteren bestätige ich die Abbuchung der Spende von meinem Konto und genehmige weiterhin (nach Absprache mit meinem nächsthöherem Disziplinarvorgesetzten), dass von unserer Spende auf Ihrer Homepage berichtet wird. Allerdings bitte ich Sie herzlich, vor allem die freiwilligen Helferinnen und Helfer zu nennen, denn sie haben wesentlich zum Erfolg der Blutspendeaktion beigetragen!!!


Ich freue mich, wenn wir weiter in Verbindung bleiben.


Mit herzlichen Grüßen




Franziska Auth

Abschließend möchte ich allen, besonders den freiwilligen Helferinnen und Helfern der Blutspendeaktion danken…..
Wie sagte der Kleine Prinz:“ Nur mit dem Herzen sieht man wirklich gut!“

Danke und viele liebe Grüße
Marlis Böken mit Jenny im Herzen

 

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Endlich nicht mehr vergessen

Soldaten von Kabul: Nach TAGEBLATT-Bericht über Robert Müller wird jetzt das Bundesgesetz geändert

Robert Müller aus Stade.STADE. Der Antrag der beiden Regierungsfraktionen im Deutschen Bundestag ist eindeutig. Der Kampf des Stader Afghanistan-Veteranen Robert Müller um eine gerechte Behandlung von Bundeswehrsoldaten, die vor dem 1. Dezember 2002 im Einsatz zu Schaden gekommen sind, wird am Ende erfolgreich sein. Der neue Antrag nimmt alle Forderungen der Betroffenen auf und geht an manchen Stellen sogar noch weiter.

Am 17. Oktober 2009 berichtete das TAGEBLATT als erste deutsche Zeitung unter dem Titel "Die vergessenen Soldaten von Kabul" über die Problematik. Nach den zum Teil verheerenden Erfahrungen der Bundeswehr in Afghanistan hatte der Bundestag die Versorgungsleistungen für Soldaten, die im Einsatz körperlich oder seelisch Schaden erlitten haben und für deren Angehörige, wesentlich verbessert. Nach dem TAGEBLATT-Bericht hatten zahlreiche bundesweit agierende Medien wie die FAZ, Zeit Online oder Spiegel TV die Geschichte aufgegriffen.

Müller wurde im April 2002 bei einer missglückten Raketenentschärfung in Kabul schwer verletzt. Dabei gab es fünf Todesopfer. Müller leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Wie andere Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bundesregierung wurde Müller - aufgrund einer inhaltlich nicht zu rechtfertigenden Stichtagsregelung - von besseren Versorgungsleistungen und Therapiemöglichkeiten ausgeschlossen. "Wenn das Gesetz so verbessert wird, wie jetzt vorgeschlagen, beginnt für mich und andere Betroffene das Leben wieder neu", sagt Müller gegenüber dem TAGEBLATT.

Er war am Montag mit einem Fernsehteam von Spiegel TV in Berlin. Gesprächspartner waren unter anderem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der ehemalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD), die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Elke Hoff und der Stader FDP-Abgeordnete Serkan Tören. "Das ist ein Riesenerfolg für die Betroffenen", kommentierte Tören den Antrag der Regierungsfraktion. Tören geht davon aus, dass der Antrag bereits im Herbst beschlossen wird. Die besseren gesetzlichen Regelungen gelten dann für alle Soldaten, die seit 1992 in Einsätzen waren.

Neben der Aufhebung des Stichtags 1. Dezember 2002 wird in einem zweiten Schritt der "Störungsgrad", ab dem die Hilfeleistungen des Bundes greifen, herabgesetzt. Bisher sind es 50 Prozent Berufsunfähigkeit, in Zukunft sollen es nur noch 30 Prozent sein. Außerdem soll bei der Bestellung der PTBS die Beweislast so verändert werden, dass die Soldaten in einer besseren Position sind. Dienstzeiten im Rahmen von Auslandseinsätzen werden bei der Berechnung von Versorgungsansprüchen doppelt angerechnet. Wie groß die Zahl der von der Neuregelung betroffenen Soldaten ist, ist unklar. Das Verteidigungsministerium rechnet mit dreizehn Soldaten. Experten gehen von einer höheren Dunkelziffer aus. (kw)


Die neue Regelung

"...Darüber hinaus kann die Entschädigung ... einer lebenslangen beruflichen Perspektive nicht von einem Stichtag abhängig gemacht werden. Das Einsatzweiterverwendungsgesetz ist daher zumindest auf den Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens des Auslandsverwendungsgesetzes, also den 1. Juli 1992, weiter zurückzudatieren."

Den ganzen Text des Antrags der Regierungsfraktionen lesen Sie hier:

Antrag zur Verbesserung der Regelungen zur Einsatzversorgung

Quelle: http://www.tageblatt.de

 

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Einladung zur Eröffnung der Ausstellung „Warum Soldaten?“ mit Reinhold Robbe und Karl-Theodor zu Guttenberg

 

Am Montag, dem 5. Juli 2010, um 11.30 Uhr eröffnet der Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, im Bundespresseamt in Berlin die Ausstellung „Warum Soldaten?“. Sie zeigt in 500 Zeichnungen, Briefen und Interviews die ambivalenten Auffassungen der Gesellschaft über die Rolle der Bundeswehr und ihrer Soldaten.

 

Der frühere Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe, hat noch zu seiner Amtszeit die Schirmherrschaft über das Projekt übernommen. Es wurde von zehn Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität initiiert. Die zehn Soldatinnen und Soldaten hatten im vergangenen Sommer 1.500 Schüler, Passanten und Vertreter des Öffentlichen Lebens um ein Statement zur Frage „Warum Soldaten?“ gebeten – und über 500 zustimmende und ablehnende Antworten bekommen. Diesen werden in der Ausstellung 500 Soldaten-Portraits gegenüber gestellt.

 

Unter den Antworten finden sich Schreiben der damaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Dr. h. c. Charlotte Knobloch, des Bischofs von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, von ADAC-Präsident Peter Meyer und DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger. Der Brief einer Frau, die als Kind Krieg und Vertreibung erlebte, ist ebenso vertreten wie die Schilderung der Mutter, deren Tochter Jenny im September 2008 auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ auf tragische Weise ums Leben kam.

 

Die Veranstaltung beginnt am 5. Juli 2010 um 11:30 Uhr im Bundespresseamt, Dorotheenstraße 84, in 10117 Berlin.

 

Interessierte Medienvertreter sind herzlich eingeladen, an der Ausstellungseröffnung teilzunehmen. Bitte melden Sie sich bis Sonntag, den 4. Juli, um 17 Uhr unter der E-Mailadresse This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it an.

 

Die Ausstellung verbleibt bis zum 16. Juli 2010 im Bundespresseamt.

 

Weitere Informationen:

Susanne Hansen, Telefon (040) 6541–2524, This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it

 

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Afghanistan: Anschlag auf deutsche Bundeswehr

Potsdam/Kunduz, 13.06.2010, Einstellzeit: 9.45 Uhr.

Am 13. Juni um 7.25 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (9.55 Uhr afghanischer Ortszeit) fand ein Sprengstoffanschlag auf deutsche ISAF-Kräfte des Regionalen Wiederaufbauteams PRT Kunduz circa elf Kilometer westlich von Kunduz statt.

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde ein deutscher Soldat schwer und ein weiterer leicht verwundet. Der schwer verwundete Soldat befindet sich derzeit im Rettungszentrum des PRT in Behandlung. Ein Fahrzeug wurde beschädigt.

Stand: 9.30 Uhr

Aktualisierung – Stand: 13 Uhr

 

Nach derzeitigen Erkenntnissen wurden zwei deutsche Soldaten verwundet, einer davon schwer. Sie befinden sich im Rettungszentrum des PRT in Behandlung.

 

Der Zustand der Soldaten ist stabil. Sie befinden sich nicht in Lebensgefahr. Beide werden zur weiteren medizinischen Versorgung nach Deutschland zurückgebracht.

Einstellzeit: 13.30 Uhr

Aktualisierung - Stand: 14. Juni 13 Uhr

Die beiden am Sonntag in Kunduz verwundeten Soldaten sind Angehörige des PzGrenBtl 122.

Die Verwundeten, ein 29jähriger Hauptfeldwebel und ein 22jähriger Hauptgefreiter werden heute zur weiteren Behandlung nach Deutschland ausgeflogen und landen voraussichtlich am späten Abend auf dem Flughafen Köln/Bonn militärischer Teil.

Einstellzeit: 13.30 Uhr

Einsatzführungskommando der Bundeswehr

Quelle, Fotos: Presse- und Informationsstab BMVg

 

   

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„Ich bin eine tickende Zeitbombe“

14. Juni 2010

Zwei Veteranen: Schäferhund Idor ist immer an Robert Sedlatzek-Müllers Seite. © Holde Schneider

Robert Sedlatzek-Müller starrt auf die Elbe. Das Wasser kräuselt sich und schlägt sanft ans Ufer des Hamburger Stadtteils Blankenese. Ein Containerschiff zieht vorbei, eine Segelschaluppe tanzt über die Wellen. Doch er sieht sie nicht. Er blickt auf die SA-3-Rakete. Sieht, wie Kameraden versuchen, den Sprengstoff herauszumeißeln. Hört den ohrenbetäubenden Knall der Explosion. Spürt, wie ihn etwas hart am Rücken trifft, sein Körper durch die Luft geschleudert wird, auf dem Boden aufschlägt. Ein Feuerball versengt seine Haut.

Er kann nichts mehr sehen, nichts mehr hören, tastet blind nach seinem besten Freund, der eben noch neben ihm stand. Seine Finger umgreifen etwas, Entsetzen erfasst ihn, er hält einen abgetrennten Arm in der Hand. Pfeilschnell ist er auf den Beinen, doch die Welt dreht sich, überall liegen Körperteile verstreut. Er sieht einen Menschen reglos am Boden liegen, reißt ihn hoch, bloß weg von der Grube, in der noch genug Sprengstoff übrig ist, um ein Fußballfeld zu pulverisieren. Er schleppt sich zu einem Fahrzeug, blickt an sich herunter, alles an ihm ist voller Blut, doch es ist nicht sein eigenes, es ist das eines Kameraden, den es hinter ihm zerfetzt hat.

Hilflos sieht er einen Kameraden sterben

Drei Mal war er als Isaf-Soldat am Hindukusch im Einsatz. © privat

Seine Hände krampfen sich um die Hundeleine, an deren Ende Schäferhund Idor aufgesprungen ist, und ihn aus treuen Augen anschaut. Mehr als acht Jahre nach dem Knall, mehr als 5.000 Kilometer von Afghanistan entfernt, ist der Krieg sofort wieder da. Denn Sedlatzek-Müller, 32 Jahre alt, ehemaliger Spezialsoldat, Fallschirmjäger, Hundeführer, Vater einer Tochter, kann nicht vergessen. Kann nicht vergessen, wie er nach der Explosion neben einem Kameraden abgelegt wird, dessen Gedärme durch die offene Bauchdecke quellen. Hört noch immer, wie der Sterbende vor Schmerz schreit. Sieht, wie er nach einer Morphium-Spritze einschläft und nicht mehr aufwacht.

Es ist der 6. März 2002, nach dem in Sedlatzek-Müllers Leben nichts mehr so sein wird, wie es war. Er ist als Hundeführer mit Idor, seinem Kampfmittelspürhund, bei Kabul im Einsatz, als die Entschärfung des Überbleibsels aus dem afghanisch-sowjetischen Krieg in einer Katastrophe endet. Fünf Isaf-Soldaten, zwei Deutsche und drei Dänen, kommen ums Leben, was Sedlatzek-Müller hart im Rücken traf, war der Torso eines Toten. Gemeinsam mit den verletzten Kameraden, darunter auch sein bester Freund, wird er nach Deutschland ausgeflogen.

Irgendwann hilft nur noch Whiskey

Heute lebt er fast nur noch für Hund Idor: "Ihn kann ich nicht im Stich lassen". © privat

Im Krankenhaus setzen ihm die Ärzte künstliche Trommelfelle ein, seine eigenen hat die Detonation zerrissen. Was bleibt ist ein Tinnitus, laut wie ein Presslufthammer. Nach sechs Wochen sind die sichtbaren Wunden verheilt, er wird entlassen. Doch schon bald merkt er, dass etwas nicht stimmt: "Ich wurde vergesslich, unruhig, aggressiv." Die Bilder der Explosion, der Leichen, des sterbenden Kameraden, kommen im Alltag plötzlich hoch, rauben ihm den Schlaf. Irgendwann hilft nur noch Whiskey, um einzudämmern. Er drängelt und rast auf der Autobahn, verliert den Führerschein, prügelt sich mit Kameraden, fliegt aus dem Hundezug. Von seiner Familie zieht er sich zurück, verbringt selbst die Ferien in der Kaserne, seine Beziehung zerbricht, das gemeinsame Kind bleibt bei der Mutter.

Wegen Bagatellen ist der vorher unauffällige, fast schüchterne Robert, sofort außer sich. Oft denkt er, "alles mit einem großen Knall zu beenden." Weil ein Beamter am Telefon eine Auskunft verweigert, rast er zu dessen Büro, tritt die Tür ein und will sich mit ihm aus dem Fenster stürzen. "Ich bin eine tickende Zeitbombe", sagt er mittlerweile von sich selbst. Schon 2003 diagnostiziert ein Psychologe der Bundeswehr bei ihm eine "Posttraumatische Belastungsstörung", kurz PTBS. Mit der "Behinderung", wie er sie selbst nennt, ist Sedlatzek-Müller nicht allein. Seit 2007 verzeichnet der Sanitätsdienst der Bundeswehr einen massiven Anstieg der Fälle von Soldaten, die an PTBS erkranken, wie ein Sprecher erklärt. "Das ist dadurch zu erklären, dass Anzahl und Intensität der Auslandseinsätze zugenommen haben", sagt er weiter.

Immer öfter kehren Soldaten traumatisiert zurück

Denn seine Tapferkeit hat Robert Sedlatzek-Müller teuer bezahlt. © Holde Schneider

Waren es 2007 noch 145, und 2008 noch 245 Neuerkrankte, so hat sich die Zahl im vergangenen Jahr bereits auf 466 erhöht. Seit 2004 hat die Bundeswehr insgesamt 1.164 PTBS-Fälle in ihren Reihen registriert, von 1996 bis 2003 waren es nur 348. Doch das ist nicht das Ende der Fahnenstange, glaubt Andreas Timmermann-Levanas. Der Oberstleutnant a.D. leidet seit einem Afghanistan-Einsatz selbst an PTBS. Er fühlt sich von seinem Heer im Stich gelassen und hat deshalb die Deutsche Kriegsopferfürsorge gegründet, die sich um versehrte Soldaten kümmert. "Bislang waren 278.000 Soldaten in einem Auslandseinsatz. Die Gefahr, ein Trauma zu erleiden, liegt bei kriegsähnlichen Einsätzen bei mehr als 10 Prozent. Deshalb schätzen wir die Dunkelziffer der PTBS-Fälle auf etwa 20.000."

Die Bundeswehr habe auf den drastischen Anstieg der Fälle sofort reagiert, sagt der Sprecher des Sanitätsdienstes: "Seit 2008 gibt es eine 24-Stunden-Hotline und eine Website, über die sich aktive und ehemalige Soldaten und ihre Angehörige über PTBS informieren und sich anonym Hilfe holen können. Im Februar 2009 beschloss der Bundestag die Einrichtung eines Forschungs- und Kompetenzzentrums zur Behandlung von Traumata in der Bundeswehr, im Mai darauf wurde es in Berlin eröffnet." Doch diese Angebote nützen Soldaten, die schon lange vorher verwundet wurden, wenig.

"Ich habe die Einsätze nie in Frage gestellt"

 

Ein Splitter des Gefechtskopfes, der bei Kabul explodierte - doch es sind viel mehr die Erinnerungen in seinem Kopf, die den Ex-Soldaten quälen © Holde Schneider
Auch Sedlatzek-Müller war lange nicht klar, dass er früh Hilfe gebraucht hätte: "Ich wusste nicht einmal, was PTBS ist. Es hat mir auch niemand erklärt." Erst 2009 bekommt er die Möglichkeit, eine ambulante Therapie zu machen, öffnet sich zum ersten Mal einem anderen Menschen. Doch dann werden zwei Mal kurz hintereinander seine Psychologen ausgetauscht: "Das war ein Schlag ins Gesicht." Ein Versuch, seine Aggressionen mit autogenem Training in den Griff zu bekommen, scheitern: "Die Therapeutin war überzeugte Pazifistin." Trotz seiner Probleme kehrt Robert Sedlatzek-Müller 2003 und 2005 nach Afghanistan zurück.

Als Zeitsoldat kann er zu Auslandseinsätzen verpflichtet werden, doch er geht immer freiwillig. "Soldat zu sein ist nicht mein Beruf, es ist meine Berufung. Ich war immer loyal, habe die Einsätze nie in Frage gestellt und war zudem sehr ehrgeizig", erklärt er. Mit 22 Jahren geht er mit der Division spezielle Operationen in den Kosovo: "Ich bin in der DDR groß geworden, wollte die Welt sehen." Dort schlägt ihm ein Freiheitskämpfer der UCK mit dem Gewehrkolben einen Zahn aus, verirrt er sich in einem Minenfeld, in dem jeder Schritt sein letzter hätte sein können, sieht Tod und Elend der Zivilbevölkerung. "Heute glaube ich, dass meine Erlebnisse im Kosovo, über die ich nie mit jemandem sprechen konnte, die wirkliche Ursache meiner PTBS sind", sagt Sedlatzek-Müller.

Einkaufen wird zur Qual

Was die Krankheit mit ihm anrichtet, begreift er erst spät: "Als Idor mich zum ersten Mal in seinem Leben gebissen hat, weil er meine Aggressionen spürte, habe ich mich endgültig nicht mehr wiedererkannt", erinnert er sich. Das war 2008 - sechs Jahre nach der Explosion, fünf nach der PTBS-Diagnose. Seitdem geht es ihm immer schlechter. Auch sein Körper zeigt mittlerweile, dass die Seele krank ist, der Ex-Soldat hat keinen Appetit, ist abgemagert, leidet an Nesselsucht. "Beim Autofahren habe ich neulich im Radio von der Explosion eines Blindgängers gehört, bei der drei Menschen gestorben sind. Ich musste rechts ranfahren und mich übergeben", erzählt er.

Eine Familie fährt mit ihren Rädern an der Elbe entlang, kommt an der Bank vorbei, auf der Sedlatzek-Müller sitzt, und von seiner Tragödie erzählt. Er dreht sich sofort nach ihr um. Sobald er nur das kleinste Geräusch wahrnimmt, scannt er seine Umgebung, seine Augen blicken gehetzt - ein Überbleibsel aus seiner Ausbildung zum Spezialsoldat, das sich durch die Krankheit verstärkt hat. "Im Cafe behalte ich immer alle Ein- und Ausgänge im Blick", erzählt er. Auch in den eigenen vier Wänden fühlt er sich nicht mehr sicher: "Wenn ich nach Hause komme, mache ich kein Licht - keiner soll wissen, dass ich da bin."

"Mir kann keiner mehr helfen"

Menschenmassen machen ihm Angst, selbst Einkaufen wird zum Problem: "Ich gehe nur, wenn wenig los ist. Manchmal schaffe ich es trotzdem nicht, aus dem Auto auszusteigen und fahre wieder." Ein Mann, der im Einsatz auf dem nackten Boden schlafen, der sich alleine, ohne Wasser, ohne Nahrung durchschlagen konnte, kommt mit dem Leben nicht mehr zurecht - und fühlt sich von seinem Heer im Stich gelassen. Ende April lief sein Vertrag als Zeitsoldat aus, er wurde "untherapiert entlassen", beklagt er. Die Bundeswehr würde ihm eine stationäre Behandlung bezahlen. Doch nach den gescheiterten Therapieversuchen hat Sedlatzek-Müller das Vertrauen verloren: "Mir kann sowieso keiner mehr helfen."

Außerdem müsste er die Berufsförderung der Bundeswehr aufgeben, mit der er sich in einer ihrer Fachschulen zum staatlich anerkannten Erzieher ausbilden lässt. "Dann wäre die neue Existenz, die ich mir mühsam aufbaue, wieder flöten", sagt er bitter. Für drei Jahre erhält der ehemalige Zeitsoldat noch die übliche Übergangszuwendung der Bundeswehr. Was danach kommen könnte, sieht er an seinem besten Freund, der von der Explosion ebenfalls traumatisiert ist. Er verließ das Heer, ist arbeitsunfähig, lebt von Hartz IV und hat zwölf Kilo Untergewicht. Veteranen, die am Existenzminimum leben, sind in Deutschland keine Seltenheit, sagt Timmermann-Levanas von der Kriegsopferfürsorge: "Ich weiß von Kameraden, die im Supermarkt Essen gestohlen haben, um nicht zu verhungern."

Zermürbender Kleinkrieg mit Behörden

Mancher Verwundeter würde durch ein Dienstunfähigkeitsverfahren einfach aus der Bundeswehr "rausgeschmissen" und im Umgang mit Zivilbehörden, die nun für die Versorgung zuständig seien, alleine gelassen. Oft müssten die Leistungen sogar vor Gericht erstritten werden, was Jahre dauern könne. "Manche hat der zermürbende Behörden-Kleinkrieg schon in den Selbstmord getrieben", erzählt Timmermann-Levanas bitter. Wer noch Soldat sei, könne einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung stellen. Doch das sei selten von Erfolg gekrönt: "In zwei Dritteln der Fälle werden die Anträge abgelehnt. Dabei ist skandalös, dass die eingesetzten Gutachter meist externe, zivile Experten sind, die von militärischer Materie keine Ahnung haben", sagt Timmermann-Levanas.

Um versehrten Soldaten zu helfen, hat der Bundestag bereits 2007 das "Einsatzweiterverwendungsgesetz" erlassen. "Ein erster Schritt in die richtige Richtung", sagt Timmermann-Levanas. Denn es sieht vor, dass Soldaten mit einer Wehrdienstbeschädigung von mindestens 50 Prozent von der Bundeswehr als Soldat oder ziviler Mitarbeiter weiter beschäftigt werden. Doch es gilt erst ab dem 1. Dezember 2002. Sedlatzek-Müller fällt zwei Mal durch das Raster: Sein Unfall war im März 2002. Und seine Wehrdienstbeschädigung liegt nur bei 30 Prozent. Im März dieses Jahres hat er einen Antrag auf Verschlechterung gestellt, aber noch keine Antwort erhalten.

"Es ist an der Zeit, diesen Missstand zu beheben"

Zumindest in punkto Stichtag scheint sich aber wieder etwas zu bewegen. Mitte Mai haben sich Ernst-Reinhard Beck, Verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Elke Hoff, Sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, an Verteidigungsminister zu Guttenberg gewandt und ihn aufgefordert, eine Verschiebung oder Streichung des Stichtags zu prüfen. "Soldaten, die wenige Wochen oder Monate vor dem Stichtag zu Schaden gekommen sind, fragen sich zu Recht, warum ihre Verwundung weniger wert sein soll. Das haben auch wir uns gefragt. Es ist an der Zeit, diesen Missstand zu beheben", begründet Beck den Vorstoß.

Für Sedlatzek-Müller eine gute Nachricht, aufbauen kann sie ihn aber kaum: "Ich kann mich über nichts mehr freuen." Die Ausbildung fällt ihm schwer, ob er sie besteht, weiß er nicht: "Ich kann mich nicht konzentrieren, mir nichts merken, mache ständig Fehler." Später möchte er mit traumatisierten Jugendlichen arbeiten. Doch sobald im Unterricht über Trauma gesprochen wird, muss er den Raum verlassen. Vor wenigen Wochen hat er einen Intelligenztest gemacht, das Ergebnis schockierte ihn: "Das erste Mal habe ich wegen meiner Krankheit geweint. Denn ich habe gesehen, was sie in meinem Gehirn angerichtet hat."

"Manchmal wünsche ich mir, ich hätte einen Arm verloren"

Sein Schicksal hat aber nicht nur in seinem Kopf und seiner Seele etwas kaputt gemacht. Es versperrt ihm auch den Rückweg in die Gesellschaft. Denn seine Erlebnisse kann er mit fast niemandem teilen. "Die Menschen wissen gar nicht, was da unten wirklich los ist", stellt Sedlatzek-Müller ernüchtert fest. Dass Politiker noch immer von "kriegsähnlichen Zuständen" sprechen, weil der Isaf-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan offiziell keine Militärmission, sondern ein Friedenseinsatz ist, macht ihn wütend. Selbst Kameraden zeigen oft kein Verständnis - denn ein Soldat ist hart im Nehmen, weint nicht, klagt nicht. "Manchmal wünsche ich mir, ich hätte einen Arm verloren. Dann müsste ich mich nicht ständig erklären", sagt er verzweifelt.

Auch Freunde tun sich schwer mit dem, was Sedlatzek-Müller selbst so lange nicht in Worte fassen konnte: "Ich war auf eine Feier eingeladen, habe es aber nicht lange ausgehalten. Die Frauen redeten über Schuhe, die Männer über Winterreifen. Für mich Belanglosigkeiten." Dass er im Kosovo auf einem Dachboden eine Frau fand, die in ihren Exkrementen lag, und die er sterbend zurücklassen musste, ist kein Gesprächsthema für eine Party. Seit 2009 ist er verheiratet, seine Frau möchte ausgehen, doch dazu fehlt ihm die Kraft.

Von seiner Familie hat er sich entfremdet: "Ich liebe meine Tochter, meine Frau, meine Eltern und Schwestern. Aber ich bin innerlich so tot, dass ich denke, die sind selbstständig, gut versorgt, die kommen ohne mich klar." Wer nicht ohne ihn klar kommt, ist Idor. Der Schäferhund ist seit zehn Jahren sein Schatten, weicht ihm nicht von der Seite. "Ihn kann ich nicht im Stich lassen. Ansonsten warte ich nur noch auf den Tag X." Es klingt grausam, aber irgendwie logisch, wenn Robert Sedlatzek-Müller, ein Mensch, der nur noch wenig zu verlieren hat, das sagt. Tag X ist, wenn Idor stirbt.

FAZ.NET und FAS
Holde Schneider, privat

Quelle: © F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001-2010
   

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Herzlich willkommen bei der Jenny-Böken-Stiftung
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